Geisteswissenschaftler*innen vs. Künstler*innen

1:28

Im Angesicht der Hörgewalt von „PULSE“ – LIVE-Album von Pink Floyd – überkam mich erneut ein Schauer, eine Freude, ein Genuss, Erhabenheit, Fülle, Ruhe und Gelassenheit, Inspiration, Ausdauer, Wohlwollen, Schweben und Gehenlassen – den letzen Schluck Wein trinken und erneut auf PLAY drücken, Stimmungen wiederholen, Geister heraufbeschwören!

1:33

Und dann die Ernüchterung

Alles lebt und schwillt

Klänge gebären und verklingen lassen

Das Gemüt berühren und verschwinden lassen

In sich ruhen und nichts bedürfen 

Die Stimme ruft, sie singt und lacht

sie lockt und will dich ganz

bezwingen.

1:37

Kaum ist die Zeit notiert

verblasst sie im Gedanken um den nächsten

Vers.

Scheiß auf Verse, was will die Stimme sagen?

Sie sind besser als wir, wir sind schlechter als sie, wir, das sind die Recycler der Ideen, der Stimmungen, wir, das sind die Nörgler und Kommentierer, die Ewig-Unbefriedrigten, die gierigen Nein-Sager und Theorie-Menschen ohne Gefühl und Verstand,

zu feige, um Kunst zu machen, 

zu selbstverliebt, um sie nicht zu machen,

zu gierig nach dem Ruhm, den sie haben,

zu gierig nach der Aufmerksamkeit, die sie bekommen,

nichts und niemand giert so stark und so schön nach des Künstlers Blut

wie wir,

wir –

Geisteswissenschaftler*innen!

1:48

Wir sind die Müllfrauen/männer des Wissens, die spätgeborenen Nachzügler des bereits Gedacht und Durchdachten,

die kleinen Denker*innen der großen Taten, die blassen Neider der kreativen Leider,

wir fahren mit unseren Autos die Straßen entlang und sammeln auf, woran sie bereits arbeiteten und verkauften, arrangierten und sich selbst vielleicht dabei zu Tode brachten.

Niemand leidet so wie sie, sie, die produzieren, wir, die sie konsumieren, und ihr dürres Skelett ausrangiert und ohne Fleisch zeugt von unserem Kannibalismus!

Sie –

die Künstler*innen!

1:55

Auf dem Elfenbeinturm der Totgesagten, der Todgetauften, 

schöpfen wir aus den Quellen der Geschichte und unserer Gegenwart,

wir fördern und zerstören,

wir setzen und tradieren 

kanonisieren und

sterilisieren –

Wir tragen auf unseren Schultern das Erbe der Menschheit?

Menschen?

Die Menschen seien schon lange gestorben, hörte ich einst aus den dunklen Höhlen unserer Mütter und Väter –

welches Erbe also tragen wir?

– „High Hopes“

2:02

Kein Erbe mehr zu tragen, kein Geld mehr, um es zu bezahlen, keine intellektuelle Arbeitskraft, die erträgt, ohne dafür entfristet und gewürdigt zu werden, kein Wissen, das Wert ist, entwertet zu werden, denn wie wird Wert geschaffen?

Schafft Euch Euren Wert, wertet und bewertet, taucht unter und wieder auf, zerreißt und baut wieder auf, seid nicht gierig, verspürt keinen Neid, rächt Euch nicht, schafft keine neuen Ideale, strebt nicht ans Licht, gleitet in die Höhlen, richtet Euch auf, blickt ins Dunkel, erschreibt Euch Euer Labyrinth!

Ariadne spinnt – heute Nacht

2:15!

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